Es existieren zahlreiche Theorien und Vorurteile darüber, warum weniger Frauen als Männer Karriere machen. Es läge am Kinderwunsch oder an der fehlenden Bereitschaft zum Ortswechsel. Besonders hartnäckig hält sich die Meinung, es gäbe einfach nicht ausreichend hochqualifizierte Frauen. Die weltweit agierende gemeinnützige Organisation Catalyst hat sich diesem Thema angenommen und veröffentlichte 2012 eine umfangreiche Studie dazu. Für einige Entscheider dürfte das Ergebnis überraschend sein: Es gibt hinreichend hochqualifizierte Frauen, denen ein Aufsteigen in höhere Chefetagen durch unternehmensinterne Entscheidungen verwehrt bleibt. Ein logisch nicht begründbarer Missstand wird deutlich, der einfach beseitigt werden könnte, wenn die unberechtigten Vorurteile nicht so fest in den Köpfen der Herren sitzen würden.

Männer und Frauen brauchen die gleichen Schlüsselqualifikationen für Top Jobs

Wer verstehen möchte, warum es für Frauen im Allgemeinen schwieriger ist, in hohe Positionen aufzusteigen, muss sich zuerst vor Augen halten, wie Karriere eigentlich gelingt. Unabhängig von dem Geschlecht und nahezu branchenübergreifend weisen die sogenannten Hot Jobs folgende Kriterien auf: internationale Erfahrungen sowie besonders komplizierte und stark wahrgenommene Projekte. Wer mit Aufgaben betreut wird, die diese Kennzeichen besitzen, wird mit einer großen Wahrscheinlichkeit auf der Karriereleiter aufsteigen. Doch was passiert, wenn diese komplexen Aufgaben und Projekte ausbleiben?

Ohne umfangreiche Erfahrungen keine Karriere

Mögen auch die Ansprüche an männliche und weibliche Anwärter für Top Jobs gleich sein, liegt genau dort der Knackpunkt: So existiert ein signifikantes Geschlechtergefälle, wer diese Aufgaben tatsächlich ausführen darf. Meist werden Männer mit ihnen betreut, obgleich es ebenfalls Frauen gäbe, die für diese Jobs qualifiziert wären. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Frauen in ihrem beruflichen Werdegang gebremst werden. Sie haben gar keine Chance auf eine Karriere. Die Ergebnisse der Catalyst Studie untermauern dieses Ungleichgewicht. Sie zeigt, dass Männern häufiger Projekte übertragen bekommen, die für große Aufmerksamkeit sorgen. Sie zeichnen sich durch ein hohes Budget von vielen Millionen aus und sind nicht selten riskant. Etliche weitere Angestellte sind darin involviert, wodurch zugleich die Führungsqualitäten ausgebaut werden. Ganz klar: Solche Projekte werden wahrgenommen und ebnen den Weg auf der Karriereleiter.

Keine Chance ohne politisches Netzwerk

Wenn weniger Frauen bei gleicher Qualifikation mit anspruchsvollen, karrierefördernden Projekten seltener betreut werden, schließt sich die „Frage nach dem Warum“ an. Die Antwort darauf klingt simpel, aber dahinter steckt noch viel mehr. Maßgebend ist, dass männliche Mentoren ihre ehrgeizigen, männlichen Schützlinge mit Freude und Eifer in politische Netzwerke einschleusen. Frauen hingegen, die ebenfalls häufig einen Mentor zur Seite haben, kommen deutlich weniger in diesen Genuss. Dadurch bleiben ihnen bedeutsame Kontakte und damit entscheidende, komplexe Projekte verwehrt. Weshalb dies so ist, kann nicht rational begründet werden. Vielmehr laufen diese Entscheidungen unbewusst ab. Vermutlich sind es Vorurteile und Gewohnheiten, die Entscheider dazu treiben, weniger Frauen für bedeutsame Aufgaben einzusetzen.

Die Veränderung beginnt immer mit einer Umdenken

Auch die Catalyst Studie offenbart, dass die fehlende Karriere vieler Frauen schlicht an einem Missmanagement bei der Aufgabenverteilung innerhalb des Unternehmens liegt. Um dieses zu beheben, ist ein radikales Umdenken erforderlich. Es ist nicht ausreichend, weiblichen Angestellten Fortbildungsprogramme anzubieten oder einen Mentor zur Seite zu stellen. Die gute Absicht muss durch Taten ergänzt werden, indem hochqualifizierte Frauen für karrierefördernde Aufgaben ebenfalls verstärkt eingesetzt werden. Alteingesessene Vorurteile müssen aus den Köpfen verbannt werden und Entscheider müssen sich bewusst machen, warum sie wem welche Projekte übertragen. Letztlich dient diese Verhaltensänderung nicht nur der Gleichberechtigung, sondern auch dem Unternehmenserfolg an sich.

Selbst aktiv werden

Zweifelsohne ist in fordernden Jobs der Alltag meist sehr stressig und schnell stellt sich eine gewisse Betriebsblindheit ein. Hinzu kommen persönliche, betriebsinterne Seilschaften, die das eigene Verhalten beeinflussen. Förderlich für die Karriere und den Unternehmenserfolg muss dies jedoch nicht sein. Häufig fehlt der kritische Blick auf die eigenen Leistungen und übertragenen Aufgaben. Wer eine zielstrebige Karriere anstrebt, sollte, sich allerdings genau dies bewusst machen. Es hilft, sich ab und zu im Bürostuhl zurückzulehnen und das Getane zu reflektieren. Was für Projekte leite ich? Sind diese bedeutsam und werden sie von Vorgesetzten hinreichend wahrgenommen? Kommuniziere ich deutlich, dass ich für größere und internationale Aufgaben bereit wäre? Wer geschickt vorgeht, sich nicht auf andere blind verlässt und seine Bereitschaft für anspruchsvolle, karrierefördernde Tätigkeiten klar zeigt, ist dem begehrten Hot Job ein gutes Stück näher.